(Anti)Stalinismus
25. August 1968: Offener Brief der überlebenden Gefangenen des KZ Ravensbrück aus der Tschechoslowakei zur Solidariität mit dem überfallenen Land
- Redaktion, KZ-Überlebende Tschechoslowakinnen aus Ravensbrück
- 23. August 2026

In diesem Jahr wurde die Erinnerung an den „Prager Frühling“ und seine brutale Niederschlagung durch die sowjetische Armee und den Warschauer Pakt von der linken Öffentlichkeit völlig ignoriert. Keine linke Zeitung erinnerte an diesen entscheidenden historischen Moment, als seit dem 21. August 1968 eine der wichtigsten sozialistischen Freiheitsbewegungen des Ostblocks brutal von sowjetischen Panzern unterdrückt wurde. In der Tschechoslowakei waren die Reformdebatten am weitesten forgeschritten, die – nach Chrustschows Enthüllungen von einigen Verbrechen Stalins auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 sowie besonders nach den Moskauer Ermutigungen zu Wirtschaftsreformen seit dem XXII. Parteitag der KPDSU 1961 – im Ostblock geführt wurden. In der ČSSR verbanden sich die zunächst technokratischen Debatten über Wirtschaftsreformen, wie sie in der Sowjetunion oder in [...]
- Christoph Jünke
- 8. Juni 2026

Aus der Sicht der Schule des sozialistischen Humanismus setzt sich der Historiker Christoph Jünke kritisch mit den langen Schatten auseinander, die der, das 20. Jahrhundert maßgeblich prägende, Stalinismus über den Tod seines Begründers J. W. Stalin hinaus bis in die Gegenwart wirft. Weil Christoph Jünke Stalinismus nicht nur als Politik Stalins fasst, sondern als System von Politik und Ideologie, erkennt er auch in intellektuellen wie praktischen Bewegungen der Linken im Westen wie in anderen Weltregionen stalinistische Charaktere. Die Redaktion In der Geschichte des 20. Jahrhunderts nimmt der Stalinismus einen herausragenden Platz ein. Aufgekommen als Begriff für die sowjetrussische Zeit unter Josef Stalin bezeichnet „Stalinismus“ zunächst und vor allem eine spezifisch historische Erscheinung – ein spezifisch gesellschaftspolitisches Herrschaftssystem mit seiner Gesellschaftsform [...]
- Andriy Movchan
- 1. März 2026

“Russlands Verteidigungskrieg gegen die NATO-Erweiterung”, ist ein Glaubenssatz, der für viele westliche Linke fast schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. Dieser Glaubenssatz erlaubt es praktisch und bequem sowohl die Handlungen Russlands zu rationalisieren als auch die Kritik an den eigenen Regierungen zu radikalisieren. Aber welche Rolle spricht Putin sich selbst bei der angeblichen von der NATO ausgehenden Gefahr zu? Eine genauere Betrachtung seiner Schlüsselreden zeigt, dass Putin ausdrücklich alle Gefahren leugnet, die von einem Angriff der NATO auf Russland ausgehen könnten. Stattdessen liegen seine Aufmerksamkeit und Leidenschaft auf der Frage der grundlegenden „historischen Gerechtigkeit“. Putin entstaubt Jahrtausende alte Chroniken, um seine reaktionäre Utopie vom historischen Besitzanspruch Russlands auf die Ukraine zu untermauern. Hier geht es um den unterschätztesten Grund dieses [...]
- Bernhard H. Bayerlein
- 28. Dezember 2025

Vor 85 Jahren versank die Welt in die „Mitternacht des Jahrhunderts“ (Victor Serge). Mit dem Überfall Hitlers auf Polen, dem Stalin nach zwei Wochen folgte – offiziell mit dem Schutz der dort lebenden ukrainischen und belarusischen „Brüder“ begründet –, begann der Zweite Weltkrieg. Eine entscheidende Weichenstellung für diese unheilvolle Entwicklung war der Abschluss des Stalin-Hitler-Paktes in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1939, der das Schicksal von Staaten, Nationen, Minderheiten und Hitler- wie Stalingegnern maßgeblich bestimmte, den Antifaschismus pervertierte und die linke Solidarität der Arbeiterbewegung definitiv zerstörte. Das angeblich dem Frieden dienende Abkommen zeigt, wie deutsch-russische Beziehungen in der Katastrophe enden können. Angesichts des allseits beschworenen Fortschrittsglaubens und des „inneren Verrats“ der Politik richtete der „Engel der Geschichte“ [...]
Ein Kommentar zur Einstufung der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost als „gesichert extremistisch“ durch den Verfassungsschutz
- Bernd Gehrke
- 28. Oktober 2025

Durch die Erklärung1 unserer Freund:innen der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost auf ihrer Website hatten wir mit großer Empörung erfahren, dass im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2024 neben den BDS-Gruppen in Berlin und Bonn sowie Palästina spricht, auch die Jüdische Stimme als „gesichert extremistisch“ eingestuft wurde. Am 2. Juli diesen Jahres hatten wir bereits die Reaktion der Jüdischen Stimme als notwendige Antwort auf diese Einstufung durch den Verfassungsschutz auf unserem Blog veröffentlicht. Doch jetzt, wo der Verfassungsschutz aus Anlass seines 75. Geburtstags offiziell selig gesprochen und über seine „Fehler“ hinweg gegangen wurde, die bestenfalls einige Medien erwähnten, wie etwa seine Verstrickungen in den faschistischen NSU, ist es höchste Zeit, seine empörende Attacke auf die Jüdische Stimme auch von [...]
- Adam Węgłowski
- 18. Mai 2025

Polnische Presseschau 230: Polen hatte nicht nur zu Zeiten der Polnischen Volksrepublik, sondern auch unter der PiS-Regierung, große Probleme, mit der eigenen Geschichte sorgfältig umzugehen. Der Rolle der Polnischen Armee unter General Berling, die an der Seite der Roten Armee gegen die faschistischen Horden kämpfte, wird heute immer noch nicht der notwendige Respekt entgegen gebracht. Hier der vollständige Artikel von Adam Węgłowski, Journalist und Buchautor. Er war Chefredakteur der Zeitschrift „Focus Historia“ und an verschiedenen historischen Forschungen beteiligt. Er veröffentlichte Artikel u. a. in „Przekrój“, „Ciekawostki historycznych“ und „Tygodnik Powszechny“. Er ist Autor von Retro-Krimis, Thrillern und Büchern zur Popularisierung der Geschichte. Adam Węgłowski Im Mai jährt sich zum 80. Mal die Einnahme von Hitlers Berlin – auch durch polnische [...]