(Anti)Stalinismus
- Daniil Traubenberg
- 26. April 2025

Welche Rolle spielt die Rehabilitierung des Stalinismus in Putins offizieller Ideologie? Wie sollte die demokratische Linke damit umgehen? Der Publizist Daniel Traubenberg beschreibt die Entwicklung der Haltung gegenüber Stalin in Russland vom Zusammenbruch der UdSSR bis heute (Vorbemerkung von Posle.Media) In den letzten Jahrzehnten hat in Russland eine Rehabilitierung der Stalin-Ära[1] stattgefunden. Damit einher geht eine enthusiastische Neubewertung der sowjetischen Geschichte, einschließlich ihrer umstrittensten Aspekte. Nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 hat sich dieser Prozess deutlich beschleunigt und beginnt, die Züge einer offiziellen staatlichen Erinnerungspolitik anzunehmen. Joseph Stalin wird zunehmend nicht nur als politischer Führer dargestellt, der eine Schlüsselrolle bei der Industrialisierung des Landes und seinem Sieg im Großen Vaterländischen Krieg spielte, sondern auch als effektiver Manager, der [...]
Zum 75. Geburtstag des 1998 verstorbenen Liedermachers und Rockpoeten Gerulf Pannach
- Bernd Gehrke
- 15. Juni 2023

Am 24. Juni 2023 jährt sich der Geburtstag von Gerulf Panach zum 75. mal. Am 3. Mai diesen Jahres war bereits der 25. Todestag des 1948 geborenen linken Liedermachers und Rockpoeten, der 1977 aus dem Knast in der DDR in den Westen abgeschoben worden war. Er starb mit nur 49 Jahren. So, wie auch der Intellektuelle Rudolf Bahro oder der Schriftsteller Jürgen Fuchs, die ebenfalls aus dem DDR-Knast in den Westen gepresst worden waren, starb er viel zu früh an Krebs. Als in den 1990er Jahren in ehemaligen DDR-Knästen Röntgengeräte entdeckt wurden, kam der Verdacht auf, dass Oppositionelle im Knast gezielt bestrahlt worden waren. Doch konnten trotz systematischer Nachforschungen dafür nie Belege gefunden werden. Eigenartig bleibt dennoch die Häufung dieser [...]
- Kavita Krishnan
- 9. Januar 2023

Auch in Indien haben große Teile der aus der kommunistischen Bewegung entstammenden Linken sehr unterschiedlich auf den russischen Krieg gegen die Ukraine reagiert. Die bekannte indische Marxistin und Feministin Kavita Krishnan hat mit ihrer Kritik an einer Linken, die für eine multipolare Weltordnung einsteht, in Indien und in anderen Ländern Asiens große Beachtung erlangt. Das Konzept der Polarität wird von der neorealistischen Denkschule der internationalen Beziehungen verwendet. Diese interessiert sich für die Machtverteilung zwischen den Staaten im internationalen System. Kavita Krishnan kritisiert grundsätzlich die Orientierung am Konzept der Polarität. Die Linke könne weder für eine multipolare noch für eine unipolare Weltordnung einstehen, sondern müsse globale Solidarität von unten für gemeinsame Werte entwickeln. Mit der Publikation dieses Artikels wollen wir dazu [...]
- AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West
- 7. Oktober 2022

Der Arbeitskreis Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West hat einen engen Freund und Kampfgefährten verloren Willi Hajek ist am 3. Oktober 2022 im Kreis seiner Tochter und seiner Ehefrau Lila Boutaiba in Marseille gestorben. Hier hatte er seine neue Heimat gefunden, hier war er jetzt seinen Freund*innen und Genoss*innen von SUD solidaire, den Stadteilgruppen und den „Gelbwesten“ ganz nahe und konnte ihre Diskussionen und Kämpfe begleiten. Für uns wurde Willi seit 2017 „unser Mann“ in Frankreich, der uns über die dortigen Kämpfe aus der Sicht der emanzipatorischen Bewegungen berichtete. Einige Male konnten wir mit ihm noch gemeinsame Veranstaltungen in Berlin durchführen; zum letzten Mal im Frühjahr 2019 im Haus der Demokratie und Menschenrechte, wo er uns wieder einmal über den Stand der [...]
- AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West
- 1. Oktober 2021

Nur wenige Stunden nach seinem 70. Geburtstag ist Reinhard nach langer, schwerer Krankheit am 26. September 2021 gestorben. Lange Zeit war er im Berliner Sozialforum aktiv, wo er sich u.a. für die Aufklärung der Geheimdienst-Spitzeleien gegen das und innerhalb des Sozialforum engagierte. Als langjähriger, zentraler Akteur der Opposition gegen die SED-Diktatur und für eine freiheitliche, radikal demokratische DDR endete seine Eintreten für Menschen- und Bürgerrechte jedoch nicht mit dem Ende der DDR. Viele Jahre in oppositionellen Untergrundgruppen unterwegs, wurde sein Engagement für den mit Westberliner Autonomen organisierten illegalen Radiosender Schwarzer Kanal zu einem Höhepunkt seiner oppositionellen Aktivitäten in der DDR, ebenso wie die von ihm maßgeblich mitinitiierte und organisierte Kirche von unten. Als Mitbegründer des Neuen Forum wurde er im [...]
- Renate Hürtgen
- 1. April 2021

Als die Bauarbeiter*innen der Stalinallee auf ihrem Marsch zum Haus der Ministerien in Berlin Mitte um 13:30 Uhr an der Staatsoper unter den Linden vorbeikamen, haben sie „Wir Bauarbeiter sind keine Sklaven!“ gerufen. Um 12:45 Uhr – so steht es in den Akten der Polizei und Staatssicherheit – waren die Sprechchöre zu hören: „Wir lassen uns nicht länger ausbeuten“. Und: „Wir fordern Normsenkung!“ Der erste Arbeiter*innenaufstand am 17. Juni 1953 in der DDR fand nicht nur in Ostberlin statt. Insgesamt streikten und demonstrierten zwischen dem 16. und 21. Juni 1953 fast eine Million Menschen in 700 Städten und Gemeinden, die aus weit über 1.000 Betrieben kamen. Es waren vor allem Arbeiter*innen und Angestellte, Handwerker*innen, Bäuer*innen und wenige Angehörige der Intelligenz, [...]