Den Geist von 1989 immer weiter tragen ... Für Werner Jahn

Liebe Leute,
wir müssen Euch die traurige Nachricht überbringen, dass unser Freund, Kollege und Genosse, Werner Jahn, bereits am 22. April 2020, in Dresden gestorben ist.

Am 17. Juni 2020 findet um 10 Uhr auf dem Friedhof „Urnenhain
Tolkewitz“, Wehlener Straße 15, Dresden, die Beerdigung statt.

Wir kennen leider die näheren Umstände seines Todes nicht. Die Nachricht kam für uns völlig überraschend, sie hat uns sehr traurig gemacht.

Werner Jahn hatte sich im Herbst 1989 in Berlin (Ost) der gerade
gegründeten oppositionellen Gruppe „Initiative für eine Vereinigte Linke“ angeschlossen. Sehr rasch begann er in der Betriebsgruppe der Vereinigen Linken zu arbeiten, denn ihn interessierten vor allem  die notwendigen Veränderungen in den Betrieben der DDR. Als Betriebsrat engagierte er sich im Rechenzentrum der Deutschen Post für seine Kolleg*innen, für die Demokratisierung der Post und für Teilhaberechte der Beschäftigten. <![if !vml]><![endif]>Wie groß war seine Enttäuschung, als er feststellen mußte, dass seine Kolleg*innen seine Hoffnungen auf eine radikale basisdemokratische Veränderung der betrieblichen Verhältnisse nicht teilten und die Verhältnisse in der BRD vorzogen. Dennoch blieb er seinen politischen Vorstellungen treu und engagierte sich auch in den
letzten Monaten der DDR und danach für eine basisdemokratische Gewerkschaftsbewegung und die kritische Begleitung der deutschen „Gewerkschaftseinheit“. Im November 1990 gehörte Werner zum Gründungskreis des „Bündnis‘ Kritischer GewerkschafterInnen Ost-West“ in
Berlin, in dem sich Betriebslinke aus Ost- und Westberlin
zusammengeschlossen hatten, um gemeinsam gegen die Privatisierung- und Deindustrialisierungspolitik der Regierungen in Bonn und Berlin Widerstand zu
organisieren. 2003 zog Werner von Berlin in seine Geburtsstadt Dresden, wo er sich über viele Jahre in verschiedenen linken Projekten engagierte, wie im Freien Radiosender ColoRadio, Attac oder der FAU.

Trotz aller Rückschläge und Enttäuschungen und trotz körperlicher Beschwerden, hat sich Werner bis zuletzt ins politische Geschehen eingemischt, hat jede wichtige Demonstration in Dresden  oder anderswo besucht, ist zu allen ihm wichtigen Veranstaltungen nach Berlin gefahren. In langen eMails hat er auch die Veranstaltungen des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West kritisch begleitet. So hat er stets aufs Neue die Beziehungen zwischen Linken in Berlin und Dresden aufrecht erhalten und sich seit 2019 in  das „Netzwerk der Ost-Linken“ zur Vorbereitung einer linken Gegenerzählung gegen die herrschende Interpretation der DDR-Demokratiebewegung von 1989/1990 eingebracht. Mit
Penetranz forderte er ein, die Bedeutung der sozialen und Klassenfragen nicht zu vergessen, was ihm nicht nur Freunde unter den Linken einbrachte.

In den letzten Wochen hatte er sich zurückgezogen, kaum erreichbar für uns. Nun ist er tot. Wir werden ihn als treuen und lieben Freund vermissen.

Renate Hürtgen und Bernd Gehrke
AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West

Link zur Traueranzeige in der SZ

https://www.sz-trauer.de/traueranzeige/werner-jahn/57212090

Nachruf der FAUDresden

https://dd.fau.org/

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.