Soziale Bewegungen & Linke

„Es konnte mir nicht in den Sinn kommen, in das ‚Kapital‘ den landläufigen Jargon einzuführen, in welchem deutsche Ökonomen sich auszudrücken pflegen, jenes Kauderwelsch, worin z.B. derjenige, der sich für bare Zahlung von andern ihre Arbeit geben läßt, der Arbeitgeber heißt, und Arbeitnehmer derjenige, dessen Arbeit ihm für Lohn abgenommen wird. Auch im Französischen wird travail im gewöhnlichen Leben im Sinn von „Beschäftigung“ gebraucht. Mit Recht aber würden die Franzosen den Ökonomen für verrückt halten, der den Kapitalisten donneur de travail, und den Arbeiter receveur de travail nennen wollte.“ Quelle: Friedrich Engels, Vorwort zur dritten Auflage des „Kapital“ von Karl Marx, MEW, Bd. 23, S. 34; https://marx-wirklich-studieren.net/wp-content/uploads/2012/11/mew_band23.pdf; MEGA II/10: Das Kapital, 1. Band, Druckfassung 1890, S. 20: https://telota.bbaw.de/mega/ Foto: Friedrich [...]

Die IG Metall, ihre Betriebsräte, aber auch ihre Mitglieder sind seit Mitte der 1960er Jahren fest in das »Exportmodell Deutschland« (Josef Esser) integriert. Als roter Faden der Arbeitsbeziehungen in der Metall- und Elektroindustrie ließ sich über Jahrzehnte ein gemeinsames Interesse der Tarif- und Betriebsparteien an der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Branche insgesamt sowie der einzelnen Hersteller ausmachen. Dass die Zukunft dieses Wirtschaftsmodells rund um die deutsche Automobilindustrie nun grundsätzlich in Frage steht, konfrontiert die IG Metall mit einer Krise, auf die sie nicht vorbereitet ist. 1990 musste sie wie alle anderen DGB-Gewerkschaften erleben, dass angesichts des politisch gewollten industriellen Ab- und Umbruchs in Ostdeutschland ihr erprobtes Instrumentarium des »sozialverträglichen Stellenabbaus« ins Leere lief. Dennoch gab es damals im Apparat die Hoffnung, [...]

WSI legt Arbeitskampfbilanz für 2025 vor

In jedem Jahr dokumentiert das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI), welchen Umfang und welchen Charakter Arbeitskämpfe hatten. Unter „Arbeitskämpfen“ werden verschiedene Arten von Streiks verstanden, welche nach deutschem Gewerkschaftsverständnis ausschließlich im Rahmen von Tarifrunden stattzufinden haben. So sind solche Dokumente vor allem ein Indikator dafür, wie gut Gewerkschaften in den tariflichen Auseinandersetzungen ihre Forderungen durchsetzen können, aber auch, wie unterschiedlich konfliktbereit sich die einzelnen Gewerkschaften im abgelaufenen Jahr gezeigt haben. Tarifauseinandersetzungen mit unbefristeten Arbeitskämpfen und Flächenstreiks sind im Jahr 2025 vielen kleineren Auseinandersetzungen und zahlreichen „Häuserkämpfen“ gewichen. Es häuften sich, nicht zuletzt als Folge des weiteren Rückzugs von Unternehmen aus der Tarifbindung, Streiks, die die Einhaltung bestehender oder die Durchsetzung tariflicher Regelungen überhaupt forderten. Da drängt sich die [...]

Am 21. August 2026 verurteilte das Oberste Gericht von Hongkong Lee Cheuk-yan und Chow Hang-tung wegen Anstiftung zur Untergrabung der Staatsordnung gemäß dem Nationalen Sicherheitsgesetz (NSL). Am 11. September wurde Lee zu sieben Jahren Haft verurteilt; Chow erhielt sieben Jahre und drei Monate. Lee ist Gründer und Vorsitzender des Hong Kong Confederation of Trade Unions, des größten unabhängigen Gewerkschaftsverbands, der gemäß dem NSL zur Auflösung gezwungen wurde. Lee hat sich furchtlos für die Rechte der arbeitenden Bevölkerung und für die Demokratie eingesetzt. Sein einziges Verbrechen war sein Mut. Bitte unterstützt die internationale Solidaritätskampagne des HONG KONG LABOUR RIGHTS MONITOR, von IGB und anderen Gewerkschaften zur Freilassung der beiden Gewerkschafter, die von den Behörden wegen ihrer Gewerkschaftstätigkeit verurteilt wurden. Grundlage war [...]

Wolfgang Hien hat in seinem Artikel „Vergessen oder verraten?“ In express 5/2026 dankbarer Weise an die Opfer des Bremer Vullkan sowie dessen Crash 1996 erinnert. Doch fand er sie nur in Bremen. Es ist schon bizarr, das Gangstertum des Vulkan-Managements zu erwähnen und dabei auszublenden, dass die Opfer dieses, den Crash auslösenden Gangstertums, vor allem die Schiffbauer:innen in Ostdeutschland waren. Hat Wolfgang Hien sie „Vergessen oder verraten?“ Auf jeden Fall sind einige Ergänzumgen zu seinem Artikel notwendig. Der Bremer Vulkan und die ostdeutschen Werften Nach massiven Protesten von Werftbelegschaften, Betriebsräten und Gewerkschaften seit Januar 1991 [siehe die Chronologie der Arbeitskämpfe unten] wurden Teile der ostdeutschen Ostseewerften 1992 durch einen Deal zwischen Treuhandanstalt, Bremer Vulkan und der Landespolitik Mecklenburg-Vorpommerns bis 1993 [...]

Unser Freund, Kollege und Genosse Norbert Kollenda ist tot. Er verstarb am 21. Juni 2026 nach einer Operation. Er gehörte zu den wenigen deutschen Linken, die sich Jahrzehnte lang systematisch und mit Verve für eine enge Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Linken engagierten. Durch dieses Engagement haben wir Norbert kennen und schätzen gelernt und mit ihm als AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West seit vielen Jahren zusammengearbeitet. Geboren wurde er am 30. Dezember, im Kriegsjahr 1941 in einer katholischen Familie im oberschlesischen Gleiwitz, der Stadt, die in die Geschichtsbücher einging, weil sie der Ort der inszenierten Provokation war, die Hitler-Deutschland 1939 den Vorwand für den Überfall auf Polen lieferte. Nach 1945 erlitt Norbert das Schicksal jener deutschen Familien in Schlesien, die [...]

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