SBZ & DDR

Unser Freund, Kollege und Genosse Norbert Kollenda ist tot. Er verstarb am 21. Juni 2026 nach einer Operation. Er gehörte zu den wenigen deutschen Linken, die sich Jahrzehnte lang systematisch und mit Verve für eine enge Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Linken engagierten. Durch dieses Engagement haben wir Norbert kennen und schätzen gelernt und mit ihm als AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West seit vielen Jahren zusammengearbeitet. Geboren wurde er am 30. Dezember, im Kriegsjahr 1941 in einer katholischen Familie im oberschlesischen Gleiwitz, der Stadt, die in die Geschichtsbücher einging, weil sie der Ort der inszenierten Provokation war, die Hitler-Deutschland 1939 den Vorwand für den Überfall auf Polen lieferte. Nach 1945 erlitt Norbert das Schicksal jener deutschen Familien in Schlesien, die [...]

Seit einigen Monaten findet in der SoZ eine Debatte über den Charakter der DDR statt. Ausgelöst hat diese Kontroverse ein Leserbrief von mir, in dem ich die Einschätzung von Angela Klein und Wolfgang Pomrehn scharf zurück gewiesen habe, die DDR sei eine reale Alternative zur Bundesrepublik gewesen, was sich auch darin zeige, dass der Westen bis heute die Erinnerung an diese Alternative zu ihr auslöschen wolle (SoZ 12/2025, S.2). Ich betone demgegenüber den stalinistischen Herrschafts- und Ausbeutungscharakter der DDR und behaupte, dass sich mit der „kalten Kriegslogik“ vom Kampf des Westens gegen den Osten die heutige Weltlage nicht erklären ließe (SoZ, 1/2026, S.20). Es folgte ein Leserbrief von Klaus Dallmer, offensichtlich die Haltung von Klein und Pomrehn unterstützend, der in [...]

8. März 2026: Blick zurück in einen Aufbruch

„Eigentlich bin ich stolz darauf, dass ich das überhaupt so gepackt habe, dass ich diesen Übergang so geschafft habe so emotional, wie ich eigentlich gebunden war an die ehemalige DDRund an die Sicherheit, die ich da hatte (lacht). Dass ich meine Kinder über die Runden kriege, und alles in die Reihe kriege. Ich bin eigentlich sehr stolz drauf, dass ich das geschafft habe mit den beiden Kindern, dass ichs noch mal geschafft habe, mir nochmal Neues anzueignen, auch damit umzugehn, und da immer noch Reserven habe in der Durchsetzung. (…) Ja doch, dass ich den Übergang geschafft habe, von einer Gesellschafft in die andere. (…) Ich weiß auch nicht. Ich bin eigentlich ein sehr zurückhaltender Mensch und habe bisher auch [...]

Interview mit Norbert Kollenda, eingeführt von Bernd Gehrke

Die Christliche Arbeiterjugend. Eine Einführung von Bernd Gehrke Die Christliche Arbeiterjugend (CAJ Deutschland) ist ein demokratischer christlicher Jugendverband, der Teil einer internationalen katholischen Arbeiterjugend-Organisation ist. Ihre Wurzeln liegen sowohl in der Katholischen Aktion als auch in der Arbeiterbewegung. Sitz der Organisation in Deutschland ist Essen. Ihr internationales Hauptquartier befindet sich in Brüssel. Die maßgeblich von dem jungen Arbeiterpriester und späteren Kardinal Joseph Kardijn am Anfang der 1920er Jahre in Belgien gegründete Jeunesse Syndikaliste stand am Anfang der internationalen katholischen Arbeiterjugendbewegung. Diese sich zunächst vor allem im französischen und niederländischen Sprachraum entwickelnde Bewegung trug seit 1924 den Namen Jeunesse Ouvrière Chrétienne (JOC). 1925 wurde sie offizieller Bestandteil der katholischen Pabst-Kirche. Ihr Motto war: Jede junge Arbeiterin, jeder junge Arbeiter ist mehr [...]

Kommentar zu meiner Stimme für die Wahl der Linkspartei

Ick sahre: “Muttacken”, sahre ick, “ick ha det deutsche Volk bei de Wahlvorbereitung studiert.” – “Besoffn biste!” sacht se. Ick sahre: “Det auch…” sahre ick. “Aber nur nehmbei. Ick ha staatspolitische Einsichten jewonn!” Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten! – sprühten wir nachts an Häuserwände. Nichts da mit dem Ende der Geschichte! Revolution war Möglichkeit und Verheißung. Wir fühlten uns als Hüter und zukünftige Vollstrecker revolutionärer Ideale. Zugleich waren wir jedoch auch Punks und brauchten Anlass zum Krawall. Ein verworrenes Knäuel von Motivation, unentwirrbar doch versunken in der Zeit. Diese nämlich machte lauter Sachen, die wir nicht auf dem Zettel hatten. Sie ist schlicht über uns hinweggegangen. Dabei ist es nicht so, dass wir nichts versucht hätten. In [...]

Als die Bauarbeiter*innen der Stalinallee auf ihrem Marsch zum Haus der Ministerien in Berlin Mitte um 13:30 Uhr an der Staatsoper unter den Linden vorbeikamen, haben sie „Wir Bauarbeiter sind keine Sklaven!“ gerufen. Um 12:45 Uhr – so steht es in den Akten der Polizei und Staatssicherheit – waren die Sprechchöre zu hören: „Wir lassen uns nicht länger ausbeuten“. Und: „Wir fordern Normsenkung!“ Der erste Arbeiter*innenaufstand am 17. Juni 1953 in der DDR fand nicht nur in Ostberlin statt. Insgesamt streikten und demonstrierten zwischen dem 16. und 21. Juni 1953 fast eine Million Menschen in 700 Städten und Gemeinden, die aus weit über 1.000 Betrieben kamen. Es waren vor allem Arbeiter*innen und Angestellte, Handwerker*innen, Bäuer*innen und wenige Angehörige der Intelligenz, [...]

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