„Grüne Männchen“ in Katalonien?

Russland bot 2017 Präsident Puigdemont 10.000 Soldaten an für eine gewaltsame Sezession Kataloniens

Manche deutschen Linken bezweifeln noch immer die Aggressivität des reaktionären Putin-Regimes in Russland und die Notwendigkeit, demokratische Freiheiten in Europa dagegen zu verteidigen. Die nationalistische Mittelstandspolitikerin Sarah Wagenknecht bezweifelt sogar die Existenz Putin-russischer Sabotage-Aktionen auf die westeuropäische Infrastruktur, wie die Paket-Brände in Deutschland und anderswo oder die Drohnen-Attacken auf europäische Flughäfen. In Polen wurde freilich gerichtsnotorisch der terroristische Angriff russischer Agenten auf die polnische Eisenbahn festgestellt.

Eine neue Dokumentation auf ARTE enthüllt jetzt einem breiteren deutschen Publikum eine noch viel weiter gehende Attacke des Putin-Regimes auf die bürgerlichen Demokratien Europas.

2017: In Spanien eskalierte der Konflikt um Autonomie oder Sezession Kataloniens aus dem Spanischen Staat. Die deutsche Linke war über deren Unterstützung gespalten. Die neue ARTE-Dokumentation schildert einen Aspekt, der in Deutschland kaum bekannt ist, obwohl er in Spanien längst gerichtsnotorisch festgestellt wurde und in der dortigen Öffentlichkeit oder im Europaparlament für Furore gesorgt hatte.

Victor Terradellas Maré

Victor Terradellas Maré, 2011-2016 Sekretär für Internationale Beziehungen der damals größten Partei Kataloniens, der sezensionistischen Demokratischen Konvergenz, bereitete das Referendum zur Loslösung von Spanien vor und versuchte zugleich, internationale Verbündete für ein unabhängiges Katalonien zu finden.

Er suchte Kontakt zu Russland und geriet an Sergej Markow. Markow war ehemaliger Duma-Abgeordneter für Putins Partei Einiges Russland und Berater von Putin. Er rechtfertigte schon im Voraus vor internationalen Fernsehstationen den Einmarsch Russlands in die Ukraine und damit die Verletzung internationalen Rechts – aus „humanitären Gründen“, “ um „die Menschen zu schützen“. Natürlich, weshalb sonst überfallen Imperialist:innen andere Länder …

Sergej Markow

Markow erklärte im Interview der ARTE-Dokumentation, dass Terradellas anbot, ein unabhängiges Katalonien wäre bereit, die annektierte Krim als Teil Russlands zu akzeptieren, wenn Russland seinerseits ein unabhängiges Katalonien anerkennen würde. Doch obwohl Markow öffentlich behauptete, das Ansinnen der Katalanen abgelehnt zu haben, weil Russland „die Souveränität und territoriale Integrität“ aller „legitimen Regierungen“ respektieren würde, spielte er mit gezinkten politischen Karten.

Carles Puigdemont

Eine Woche nach dem Treffen von Tarradellas und Markow fand das Referendum in Katalonien statt. Weil die Zentralregierung Spaniens das Referendum für illegal erklärt hatte und die Polizei versuchte, mit Gewalt die Abstimmung der Bevölkerung beim Referendum zu verhindern, schaukelten sich die Spannungen durch gewaltsame Auseinandersetzungen über Wochen hoch. In dieser Situation nutzte Moskau seine Chance heimlich zu intervenieren und die Spannungen zu verschärfen.

Der Journalist und Gerichtsreporter Jesus Alvalade hatte dies veröffentlicht, nachdem ein Richter im Prozess gegen die Separatist:innen die Kommunikation zwischen Terradellas und dem katalanischen Präsidenten Carles Puigdemont bezüglich eines Treffens mit dem Vertreter Putins bekannt gemacht und Alvarade zu weiteren Recherchen inspiriert hatte.

So erfuhr der Journalist von den Aktivitäten eines Nikolai Sodownikow, eines ehemaligen Botschafters der Sowjetunion, der heute für Putin tätig ist. Sodownikow ist ein russischer Diplomat der offiziell 2010 aus dem diplomatischen Dienst Russlands ausschied, jedoch von westlichen Geheimdiensten als wichtiger Akteur der russischen Geheimdiplomatie angesehen wird.

Nikolai Sadownikow

Am 26. Oktober 2017 traf Nikolai Sodownikow in Barcelona ein. Begleitet von einem ehemaligen russischen General begab er sich zur Residenz des katalanischen Präsidenten Puigdemont. Bei dem Treffen mit dem Präsidenten war auch Victor Tarradellas anwesend. Die russischen Abgesandten boten in diesem Gespräch 10.000 Soldaten sowie Wirtschaftshilfe an, falls die Katalanen ihre Sezession gewaltsam durchsetzen würden.

Dieses Angebot brachte ganz offensichtlich Moskaus Wunsch zum Ausdruck, dass der katalanische Sezessionsakt zu einem gewaltsamen Putsch eskaliert. Doch Puigdemont lehnte den Vorschlag ab und verweigerte sich einem bewaffneten Sezessionsversuch.

Der russische Vorschlag sollte natürlich geheim bleiben, doch das Gericht fand auf dem Telefon von Victor Terradellas einen Mitschnitt dieses Gesprächs zwischen den geheimen Abgesandten Russlands und den Spitzen der katalanischen Sezessionsbewegung.

Auch dieses Beispiel belegt, dass Russland seinen Kampf zur Zerstörung des „verdorbenen Gayropa“ auch vor seiner Vollinvasion in der Ukraine nicht nur mit der Waffe der Propaganda führte. Wer denkt bei diesem Angebot Putin-Russlands nicht an die „grünen Männchen“ auf der Krim 2014?

Quelle: ARTE Investigativ-Dokumentation: Putins Netzwerk in Europa, von Laure Pollez und Christophe Barreyre, Teil 1/2 , min. 03:51 bis 13:41; gesendet am 07.04.2026; online bis 12.04.2026: https://www.arte.tv/de/videos/RC-026039/putins-netzwerk-in-europa/ [Zugriff 08.04.2026].

Fotos:

Massenkundgebung für die Sezession: https—encyclopedia.pub-medi-common-202211-mceclip1-63686fc6a65c8.png

Victor Terradellas Maré: Screenshot von „Putins Netzwerk in Europa“

Sergej Markow: wikipedia.org

Carles Puigdemont: wikipedia.org

Nikolaj Sadownikow: facebook.org