
Wolfgang Hien hat in seinem Artikel „Vergessen oder verraten?“ In express 5/2026 dankbarer Weise an die Opfer des Bremer Vullkan sowie dessen Crash 1996 erinnert. Doch fand er sie nur in Bremen. Es ist schon bizarr, das Gangstertum des Vulkan-Managements zu erwähnen und dabei auszublenden, dass die Opfer dieses, den Crash auslösenden Gangstertums, vor allem die Schiffbauer:innen in Ostdeutschland waren. Hat Wolfgang Hien sie „Vergessen oder verraten?“ Auf jeden Fall sind einige Ergänzumgen zu seinem Artikel notwendig.
Der Bremer Vulkan und die ostdeutschen Werften
Nach massiven Protesten von Werftbelegschaften, Betriebsräten und Gewerkschaften seit Januar 1991 [siehe den Kasten zu den Arbeitskämpfen] wurden Teile der ostdeutschen Ostseewerften 1992 durch einen Deal zwischen Treuhandanstalt, Bremer Vulkan und der Landespolitik Mecklenburg-Vorpommerns bis 1993 in den Vulkan-Verbund eingegliedert. Die CDU-FDP-Mehrheit im Landtag stimmte dem zu.
Nach der Übernahme erhielten die Vulkan-Werften hohe staatliche Fördermittel aus Deutschland und teilweise aus EG-Strukturfonds zur Modernisierung der Werften in Wismar (MTW) und Stralsund (Volkswerft). Das Vulkan-Management lengte diese Gelder jedoch systematisch in den Gesamtkonzern zur Sanierung westdeutscher Firmen um. Die Förderbedingungen wurden vorsätzlich verletzt. 1996 leitete die BvS, Nachfolgerin der Treuhand, Ermittlungen ein; Manager wurden wegen Untreue angeklagt, einige flohen in die Schweiz.
Der Bundesgerichtshof stellte fest, dass 435 Mio. DM veruntreut wurden. Über ein zentrales Cash-Management wurden Mittel abgezogen, statt in Wismar und Stralsund zu investieren. Besonders gravierend war die Umleitung einer Fördertranche von 194 Mio. DM für die MTW Wismar im Oktober 1995. Die Folge: massive Überschuldung, Herauslösung aus dem Konzern und anschließender Konkurs. Die BvS klagte auf 686 Mio. DM Schadenersatz.
Eine „kleine Verbundlösung“ statt einer großen

Der 1992 vereinbarte Deal umfasste nur einen Teil der fünf großen Werften Mecklenburg-Vorpommerns. Neben der Übernahme der MTW Wismar, der Volkswerft Stralsund und dem Dieselmotorenwerk Rostock in den Vulkan-Verbund wurden die übrigen Werften einzeln privatisiert und filetiert: die Warnow-Werft an Kværner ASA, die Neptun-Werft kam nach jahrelanger Unsicherheit zur Meyer-Werft, die Peene-Werft ging an den Stegmann-Konzern. Die Belegschaften hatten jedoch eine umfassende Verbundlösung gefordert, um die Filetierung des Schiffbaus zu verhindern. Die „kleine Verbundlösung“ löste daher neue Massenproteste aus; IG Metall, Betriebsräte und Beschäftigte verlangten sodann eine „große Verbundlösung“ unter dem Dach des Vulkan.

Die doppelte Tragödie der ostdeutschen Werftarbeiter:innen
Zwischen 1990 und 1994 prägten Treuhandpolitik und Massenproteste die ostdeutsche Küste. Nach der Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 leitete die Bundesregierung den radikalen Abbau der durch die Währungsunion iliquiden Industrie ein. Staatssekretär Köhler, später Bundespräsident, verkündete intern: „Es muss auch mal gestorben werden.“ Die Treuhand kündigte für 1991 Massenentlassungen im Schiffbau an.rften sanken dramatisch:
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